Was die Zukunft bringt

Hey Leute,

ich melde mich nach seeehr langer Abwesenheit wieder zurück. Wow, schon seit einem Jahr war ich nicht mehr aktiv. Naja, aber alles hat ja bekanntlich seinen Grund, nicht wahr? Meiner ist eher unerfreulich… zumindest zum Teil. Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Am Anfang wäre wahrscheinlich nicht schlecht, was? 🙂

Aaalso… Ursprünglich habe ich diesen Blog aufgemacht, weil ich in nicht allzu fernen Zukunft vorhatte ein kleines Unternehmen zu eröffnen und im Voraus schon ein wenig Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben kann ja nicht schaden. Allerdings braucht man in meiner Branche einen Meisterbrief, um sich selbstständig machen zu können. Erst einmal keine große Sache, das hatte ich so oder so vor. Also schnellstens für die 4 Meisterkurse anmelden und schon kanns losgehen. Die Frage, mit welchem Kurs ich anfangen sollte, was auch schnell geklärt.

Im Januar letzten Jahres hat Philipp mir auf eine super kitschige und hollywoodreife Weise einen Antrag gemacht, dass ich förmlich zerflossen bin. Die Hochzeit galt es also auch zu planen, doch 3 der Meisterkurse überschnitten sich mit dem Hochzeitstermin. Folglich hab ich mit dem 4. Teil angefangen, welcher der kürzeste war und noch vor der Hochzeit komplett abgeschlossen sein würde. Außerdem hatten wir beschlossen wieder in meine alte Heimat zurückzuziehen, da mein Zukünftiger dort eine tolle Arbeitsstelle angeboten bekommen hatte und wir die Natur sehr vermissten. Auch der Umzug war überstanden und 3 Wochen vor der Hochzeit standen also nun die Prüfungen an. Das ging ja Ruckizucki! Meine ersten Meisterprüfungen! Voller Vorfreude und Tatendrang wollte ich ans Werk gehen.

Und dann passierte es. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren. Ich schrieb irgendetwas, damit das Papier nicht leer blieb, aber ich hatte keine Ahnung, was zur Hölle ich da eigentlich für einen Stuss schrieb. Die meiste Zeit habe ich einfach nur aus dem Fenster geguckt, weil es mir so wahnsinnig schwerfiel mich auf den Prüfungsbogen zu konzentrieren. Dann war die schriftliche Prüfung vorbei. ‚Was solls‘, dachte ich mir, wird schon nicht so schlimm gewesen sein. Das reiße ich mit der mündlichen Prüfung in 4 Tagen wieder raus. Doch die sollte ich nicht mehr antreten. Heute weiß ich, dass das schon ein Vorbote war für das, was mir 2 Tage nach der schriftlichen Prüfung passiert ist.

Ich stand morgens auf und hatte aus heiterem Himmel die größten Schwierigkeiten die Treppe in unserem Schlafzimmer hochzusteigen. Eigentlich hätten da schon alle Alarmglocken bei mir schrillen sollen, aber komischerweise habe ich mir gar nichts Schlimmes dabei gedacht. Den ganzen Tag habe ich dabei zugesehen, wie meine rechte Körperhälfte immer unbeweglicher wurde, bis wir irgendwann auf die Idee kamen, dass es vielleicht ein Schlaganfall sein könnte. Da brach von Null auf jetzt heillose Panik in mir aus und auf einmal ging alles sehr schnell. Ein Krankenwagen brachte mich ins Krankenhaus und es wurden einige Tests gemacht. Nach einer mehr als unruhigen Nacht auf der Intensivstation kam schließlich morgens das Ärzteteam zu mir, um mir mitzuteilen, dass das MRT eine Multiple Sklerose zeigen würde. Den Schock, den man erleidet, wenn man so einen Brocken vor den Bug geknallt bekommt, kann man nicht in Worte fassen. Ab diesem Moment hab ich eigentlich nur noch geweint. Es vergingen noch einige Tage und mir ging es immer schlechter und schlechter. Ich war mit der Behandlung in dem 2. Krankenhaus, in dem ich aufgenommen wurde, nicht sonderlich zufrieden, weshalb ich mich selbst wieder entlassen habe. Natürlich verstrich dadurch wichtige Zeit, in der schon längst eine Kortisonbehandlung hätte stattfinden müssen. Meine Familie brachte mich schließlich in eine Spezialklinik, nachdem ich kurz davor war umzukippen. Ich kann mich nicht mehr ganz genau an alles erinnern, aber ich soll wohl richtig schlimm ausgesehen haben. In der Klinik habe ich mich sofort gut aufgehoben gefühlt und bekam 2 Wochen lang intensive Behandlung. Unzählige Untersuchungen wurden durchgeführt. Der Körper wird bis oben mit Medikamenten vollgepumpt. Eine Kortisonbehandlung über den Tropf kann über mehrere Tage echt zermürbend sein, besonders, wenn einem ständig die Zugänge kaputtgehen und neue gelegt werden müssen. Mein Glück war, dass ich durch die Krankheit immer sehr müde war und meistens ein wenig schlafen konnte, wenn ich stundenlang am Tropf hing. Die Tatsache, dass sich selbst die Ärzte über einen so schweren Verlauf wunderten, trug allerdings nicht dazu bei, dass ich mich besser fühlte.

Aber dann kam irgendwann der Tag, an dem es bergauf ging. Das fing damit an, dass ich meinen Fuß wieder wenige Zentimeter bewegen konnte und schließlich konnte ich auch wieder selbstständig laufen. Mit der Selbstständigkeit kam auch meine gute Laune wieder zurück und ich musste feststellen, dass ich ohne großes Zutun zu einer kleinen Berühmtheit auf der Station geworden bin. Auf einmal wussten alle, denen ich auf dem Flur begegnet bin, dass ich in wenigen Tagen heiraten würde. Viele sahen mich auch mitleidig an, aber Philipp und ich dachten uns ‚Jetzt erst recht!‘ und hatten es gar nicht in Erwägung gezogen, alles wieder abzublasen. Tatsächlich haben wir mich so schnell wieder hinbekommen, dass ich 1 Woche vor’m Termin entlassen werden konnte und noch Zeit dafür war, mein Kleid anzupassen. Zwar mussten wir die große Feier, die am Abend geplant war, absagen, aber die Trauung im engsten Kreise fand wie geplant statt und war einfach unvergesslich. Das ganze Drumherum, was alles schiefgelaufen ist, ist jetzt vergessen, wenn ich nur daran denke, wie Philipp und ich uns in die Augen schauten. Mega schnulzig, oder?! 😉

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Und es ist wirklich -wirklich!- ’ne Menge schiefgelaufen. Angefangen damit, dass unangekündigt eine andere Friseurin vor der Tür stand, bis zu der Hochzeitsmusik, die nicht auf der Anlage im Trauzimmer abgespielt werden konnte. Zum Sektempfang hat jemand einen CD-Player organisiert und es konnte zumindest David Bowies Heroes gespielt werden, worüber ich im Nachhinein überglücklich bin. Gänsehaut pur! Fühlt es sich doch jetzt rückblickend an wie ein vorzeitiges Vermächtnis. Aber trotz Pannen und Patzer war es ein wunderschöner Tag und meinem Zustand zum Trotz habe ich mich tatsächlich herangewagt und eine kleine Hochzeitstorte gezaubert.

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen. Ich hab mich gut auf mein Medikament eingestellt, auch wenn ich manches Mal mit Nebenwirkungen zu kämpfen habe, aber mit denen kann man leben. Es gibt gute, aber eben auch schlechte Tage, aber zumindest hatte ich keinen weiteren Schub und mein Zustand bleibt bis auf weiteres stabil. Zwar gibt es bis jetzt noch keine weiteren Erkenntnisse, aber der Verdacht auf eine bestimmten Form der MS hat sich auch noch nicht endgültig bestätigt. Recherchiert man im Internet nach dem, was man im Befund liest, gefriert einem das Blut in den Adern. Da weiß man erst, dass es ein riesengroßer Fehler ist Eigenrecherche zu betreiben. ^^° Im Internet wird alles zur Horrorgeschichte. Also heißt es jetzt Abwarten und Teetrinken. Auf alle Fälle geht es mir jetzt gut und Philipp und ich sind glücklich und zufrieden. Unser kleiner Rotzlöffel hat die schwere Zeit auch gut überstanden und bereitet uns viel Freude, wenn er nicht gerade alles auf den Kopf stellt. 🙂

Im Frühjahr habe ich es sogar geschafft, meine noch ausstehende Prüfung nachzuholen. Ich bin zwar nur mit hängen und würgen durch die Prüfungen gekommen, aber ich denke, das sei mir verziehen. Bestanden ist bestanden. 😉 Teil 1-3 des Meisters sind zwar jetzt vorerst noch auf Eis gelegt, aber noch nicht abgeschrieben. Wir schauen einfach, was die Zukunft bringt. 🙂

Eure Streuselrike

PS: Normalerweise ist es nicht meine Art mein Privatleben in die Öffentlichkeit zu zerren. Ich bin da eigentlich sehr zurückhaltend, aber da es mir unheimlich schwerfällt, über solche Sachen zu reden, schreibe ich es lieber auf. Einen gewissen therapeutischen Zweck kann man auch nicht abstreiten.

3 Gedanken zu “Was die Zukunft bringt

  1. Deine Christine! schreibt:

    Liebe Streuselrike!
    Puh, da hast Du wirklich viel geschafft, trotz dieser, unserer, weniger schönen Diagnose. Hut ab und Glückwunsch für den ersten Teil der Prüfung.
    Ich kann sehr gut nachempfinden, wie das ist, wenn man auf einmal aus seinem normalen und geplantem Leben rausgerissen wird. Auf einmal ticken die Uhren anders, auf einmal ändert sich vieles…. die ach so guten Freunde sind weg, man wird in Watte gepackt und und und.
    Aber ich kann Dir sagen: Das Leben kann trotzdem noch schön sein und werden.
    Ich wünsche Dir dabei viel Spaß, Kraft und natürlich eine riesige Portion Mut, denn nur so geht es😉
    Liebe Grüße sendet, Deine Christine!❤

    Gefällt 1 Person

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